Hilla Rebay

Badische Zeitung, 5. Oktober 2017

„Das Rebay-Haus bedeutete Rudolf alles“

Bilder von dem Mann, den Hilla von Rebay liebte und finanzierte.

  1. Sonderausstellung im Rebay-Haus mit Werken von Rudolf Bauer: Darum verdient gemacht haben sich Martha Putz, Kendy Genovese, Direktorin der Weinstein Gallery und Brigitte Scheelen (von links). Foto: Dagmar Barber

TENINGEN. Rudolf Bauers Witwe schrieb an Hilla von Rebay „Das Rebay-Haus in Teningen, das bedeutete Rudolf ohne Zweifel alles. Er äußerte den Wunsch, dass seine Asche zurückgebracht werde an diesen Platz…Dieser große Meister muss Sie sehr geliebt haben“. Derselbe Mann, der Hilla betrog mit dem Hausmädchen, der zum Schluss einen erbitterten Machtkampf gegen sie führte, intigrierte, so dass sie in ein Bostoner Internierungskamp eingewiesen wurde. Und das, obwohl Hilla ihn jahrelang finanzierte und ihn zu dem machte, was er zeitweise war. Unbedingt zu empfehlen ist der Ausstellungskatalog im DINA A 4-Format mit 110 Seiten von Rudolf Bauer, den es in der Galerie zu kaufen gibt. Sehr spannend ist die tragische Geschichte der beiden Künstler, wie Liebe sich in Hass verwandelt, dort nachzulesen. Zahlreiche Abbildungen seiner Werke auf hochwertigem Bilderdruck werden gezeigt.

Zur Eröffnung der Sonderausstellung Rudolf Bauer sagte Direktorin Kendy Genovese von der Weinstein Gallery San Francisco in einer halbstündigen, leidenschaftlichen Rede über Rudolf Bauer „He was mean and awful“ (gemein und schrecklich). Ihre Galerie hat 43 Leihgaben zur Verfügung gestellt, die Gemeinde Teningen hat die Versicherungskosten übernommen. Konzipiert und organisiert wurde die Ausstellung vom Förderverein Hilla von Rebay.


Brigitte Scheelen besuchte in San Franzisco die auf gegenstandslose und surrealistische Kunst spezialisierte Galerie und überzeugte den Inhaber Rowland Weinstein, ihr für diese Sonderausstellung Bilder aus dem Nachlass Bauers zur Verfügung zu stellen: „Wir nehmen alles, haben aber überhaupt kein Geld.“ Zusammen mit Martha Putz dankten sie den Vorsitzenden Christina Beck-Nägele und Bernd Müller: „Die beiden haben wochenlang geschuftet, ohne sie wäre das alles hier nicht zu schaffen gewesen“.Aus Bauers Anfängen sind Paintings, also Ölbilder, ausgestellt, die er Flack Prim (1921), Allegro, Andanate (1923) und Composition (1928-1925) nannte. Böse Zungen lästerten damals schon, dass er Kandinsky imitierte, während Hilla in Bauer stets das Genie sah. Aus den Anfängen sind Karikaturen mit Tanzszenen ausgestellt, die aus der Mappe „Rudolf Bauer baut“ stammen, sowie Karikaturen und Illustrationen.Unter dem Titel „Gefängniszeichnung“ von 1938 zeichnete Bauer kubistische Motive mit Bleistift auf Papier. Die Farben, die er im Sinn hatte, schrieb er mangels Buntstiften dazu. Dafür benutzte er sogar die Rückseite von Hitlers Reden, die im Gefängnis verteilt wurde, oder die Rückseite einer Schokoladenverpackung. Geschickt werden die Zeichnungen in schwenkbaren Rahmen gezeigt, so dass Vorder- und Rückseite zu sehen sind. Es gibt farbige ungegenständliche Aquarelle. „Das Geistreich I“ ist eine Mappe mit losen farbigen Drucken, die damals ein Verkaufsschlager werden sollten, um Geld für weitere Aktivitäten einzubringen. Nur wenige Mappen wurden verkauft.Es ist eine lohnenswerte, einmalige und umfassende Ausstellung, bei der zahlreiche Werke von Rudolf Bauer, Dokumente und Briefe (auch an Hitler) zu sehen sind. Erstaunlich seine Schulzeugnisse, die dem 1889 geborenen „ein lobenswertes Betragen“ bescheinigen.

Geöffnet bis 28. Januar sonntags von 14 bis 17 Uhr; Originale, Lithografien und Briefe von Rudolf Bauer und von Hilla von Rebay im Erdgeschoss und im ersten Stock.
                                                                                                                                  Dagmar Barber